MGV Freundschaft Lienzingen e.V.

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Unser Dorf


(Zeichnung: Andreas Kieser. 

Kiesers Ortsansichten sind zumeist die frühesten bildlichen Darstellungen der Städte, Dörfer und Weiler des Herzogtums Württemberg überhaupt. Die 687 Ortsansichten stammen aus den Jahren 1681-1686 und illustrierten die Lagerbücher, in denen der Obristleutnant Kieser die Vermessung der württembergischen Forste neu niederlegte.)

Lienzingen gehört zu den schönsten Dörfern Baden-Württembergs. Seine Siedlungsgeschichte erstreckt sich über mehr als 2000 Jahre - Gräberfunde aus Früheisenzeit und La-Tène-Zeit legen davon Zeugnis ab. Auch die Befestigungen der Alten Burg, die durch Kelten in den letzten Jahrhunderten vor der Zeitenwende angelegt wurden, sind ein Ausdruck der langen siedlungsgeschichtlichen Kontinuität unserer Heimat. Um das Jahr 85 n.Chr. kamen die Römer in unsere Gegend und legten mehrere Gutshöfe an. Aus dieser Zeit wurden zahlreiche Scherben und ein Relief der Diana gefunden. Schließlich wurden die Römer gegen Ende des 3. Jahrhunderts von den Alemannen überrannt, die eine Siedlung gründeten, aus der das heutige Lienzingen hervorgegangen ist. Dass diese Gründung schon lange Zeit vor der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes liegt, können wir aus dem alemannischen Ortsnamen ersehen, der in etwa bedeutet: "Bei den Leuten des Luizi". Nach der Schlacht bei Zulpich im Jahre 496 geriet Lienzingen, wie fast das ganze alemannische Gebiet, unter fränkische Herrschaft.

Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes als Laizhingen (auch fränkische Schreibweise Letzenheim oder Lentzencheim bekannt) stammt aus dem Jahre 766 und betrifft Schenkungen an das Kloster Lorsch in der Markung Lienzingen. Neben verschiedenen Klöstern waren Adelsgeschlechter wie die Freiherren von Enzberg und von Roßwag in Lienzingen begütert. Nach und nach nahm jedoch der Besitz der beiden Klöster Sinsheim und Maulbronn eine größere Bedeutung an. Aus dem Jahre 1100 stammt die erste Beurkundung einer Pfarrkirche in Lienzingen, die in diesem Jahr dem Kloster Sinsheim übereignet wurde, woraus man schließen kann, dass sie schon einige Zeit früher existierte.

Während des Mittelalters war der Ort wegen seiner exponierten Lage an einer Durchgangsstraße wohl oft Zeuge von Kriegsgeschehen, so bei den Streitigkeiten zwischen der Pfalz und Württemberg vom 13. bis zum 16. Jahrhundert um die Oberherrschaft über das Kloster Maulbronn. Die Auseinandersetzungen nahmen solche Ausmaße an, dass die Einwohner des Ortes Schutzanlagen wie die Kirchenburg mit ihren Gaden und ihre Anwesen in Struktur des bis heute bestehenden Etterdorfes errichteten. Mehrmals wechselte in dieser Zeit die Herrschaft, aber schließlich blieb das Kloster und damit auch Lienzingen in württembergischem Besitz. 

Nach Jahrhunderten der Not und einer ständig wachsenden Unterdrückung durch geistliche und weltliche Herren erhoben sich die Bauern und wurden 1525 von den Fürsten blutig niedergeschlagen.

Auch die folgenden Jahrhunderte brachten viele Kriegsnöte, so etwa im Dreißigjährigen Krieg von 1618-1648, als Lienzingen stark unter Plünderungen und Kontributionen zu leiden hatte.

Während der Raubkriege Frankreichs wurde das Dorf mehrmals geplündert und im Jahre 1692 nieder-gebrannt. Erst nach den Revolutions- und den napoleonischen Kriegen kehrte eine längere Zeit der Ruhe in unserer Heimat ein.

Über Jahrhunderte hinweg bildete die Landwirtschaft die erste Erwerbsquelle der Lienzinger. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnte sie jedoch nicht allen Einwohnern eine ausreichende Lebensgrundlage bieten, so dass viele Dorfbewohner ihr Glück in der Ferne suchten, vor allem in Nordamerika. Erst mit der Ablösung der feudalen Lasten besserte sich die Lage der Bauern etwas.

Da der Plan, Lienzingen noch im 19. Jahrhundert an die Eisenbahn anzuschließen, scheiterte, blieb der dörfliche Charakter ohne größere Industrieansiedlungen bis in die Gegenwart erhalten, auch wenn durch die zahlreichen Neubürger in den neuen Baugebieten die Landwirtschaft ihre einstige Bedeutung längst verloren hat. In den 1960er Jahren konnte die Gemeinde - nicht zuletzt durch einen lukrativen Waldflächentausch mit der Stadt Mühlacker - so ehrgeizige Projekte wie neues Schulhaus, Kindergarten und Mehrzweckhalle verwirklichen.

Im Zuge der Kommunalreform wurde Lienzingen auf Beschluss des Staatsgerichtshofes im Mai 1975 ein Stadtteil von Mühlacker. Doch der Verlust der Selbst-ständigkeit bedeutete nicht das Ende der Weiter-entwicklung. Neue Wohngebiete wie Neuwiesen und Vordere Rait wurden seitdem bebaut, womit die Einwohnerzahlen stetig stiegen. Vorbildliche Sanierungsmaßnahmen galten den Kirchengaden und den Fachwerkhäusern im alten Ortskern. Das Gasthaus "Nachtwächter" erhielt den Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg, seit 2012 steht der historische Ortskern als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.                    Auf kulturellem Gebiet ragen die Konzerte des Musikalischen Sommers in der Liebfrauenkirche (spätgotische Wallfahrtskirche am Ortseingang) hervor. 


 Liebfrauenkirche

Heute liegt das schmucke Weingärtner- und Bauerndorf an der Weinstraße Kraichgau-Stromberg und ist Teil des Naturparks Stromberg-Heuchelberg.            

    

 Altes Schulhaus und Kirchenburg mit Peterskirche






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